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Warum e-Learning sinnvoll ist (nicht nur in Zeiten von Corona)

Das Leben derjenigen, die in Deutschland in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) im Bereich e-Learning/Training unterwegs waren, war nicht immer einfach. Egal, ob es sich um einzelne Dozenten, Anbieter von Software oder größere Bildungsträger handelt. Zu groß war das Misstrauen, zu kritisch der Blick auf Umsetzbarkeiten, zu schlecht an vielen Stellen auch das methodisch-didaktische Angebot. Smartphones und Tablets waren zum Spielen oder E-Mails schreiben da. Doch jetzt wird auf einmal überall gefordert, die Lehre und das Unterrichten in der Digitalität ankommen zu lassen - in Unternehmen, Organisationen und auch der Wissenschaft.

 

Doch e-Learning ist für mich mehr als ein Lückenfüller in Notzeiten. Es ist - richtig umgesetzt - ein Konzept, das den Bildungsmarkt bereichert. Das neue Möglichkeiten für alle Bereiche des Lehrens und Lernens bietet. Und das mit den technischen Voraussetzungen von heute so variantenreich zu gestalten ist wie niemals zuvor.

 

Wir verbringen heute unser halbes Online: banale Alltagserledigungen wie Einkaufen oder den richtigen Weg finden erledigen unsere Telefone für uns. Wir posten, kommentieren, liken, sharen. Doch eine nachhaltige und auch von der Anzahl ihrer Anhänger sichtbare Bewegung, das Lernen zu digitalisieren, gibt es in Deutschland (noch) nicht. An Hochschulen wird versucht, mit kleinen Projekten den Dozenten nahe zu bringen, wie sie ihre Inhalte e-fähig machen. Die Erfolge sind meistens überschaubar.

 

Wie kommt es, dass wir einerseits das Handy nicht aus der Hand legen wollen (und der Urlaub für die meisten schon gelaufen ist, wenn man keinen LTE-Empfang auf der Berghütte hat), doch wir gerade beim Thema Lernen, das in der Wissensnation Deutschland eine herausragende Rolle einnimmt, vom sachgerechten Umgang mit unseren smarten Geräten so weit entfernt sind wie eine Jugendherberge von einem 5-Sterne-Hotel?

 

Wir brauchen digitalisierten Unterricht: an der Uni, an den Schulen, in den Unternehmen. Denn er ist in den Alltag integrierbar und die Inhalte können direkt umgesetzt werden. Dadurch sind Rückkopplungskreise möglich, die vorher nicht da waren. Oder kennen Sie jemanden, der nach 3 Jahren Berufserfahrung an die Universität zurückgeht und die Vorlesung mit seinen Alltagserfahrungen bereichert? Bisher waren Erwerb des Wissens und die Erfahrung im Umgang mit dem Wissen zeitlich und räumlich getrennt. E-Learning kann das für viele Bereiche ändern.

 

Dadurch wird es effektiver, denn eine Online-Begleitung (als Coaching oder Community) wird mit e-Learning so leicht wie nie - sowohl für den Dozenten als auch für die TeilnehmerInnen. Damit wird die Nachhaltigkeit einer Bildungsmaßnahme stärker abgesichert als mit einem einmaligen Präsenztraining, in dem die Teilnehmer danach allein gelassen werden. Gerade Unterstützung, die immer wieder verfügbar ist, sichert einen Großteil der Umsetzung von Veränderungen ab. Wir alle erleben Durststrecken und Motivationstiefs, doch mit e-Learning habe ich eine Anlaufstelle und eventuell eine unterstützende Community.

 

E-Learning wird den Präsenzunterricht niemals verdrängen – das kann und soll es auch nicht! Aber es ist eben auch kein nettes Gimmick, kein schmuckes Zusatzangebot. Es ist essentiell. Es passt in unsere mobile Welt. Und es kann Veränderungsprozesse effektiv begleiten. Und darum geht es ja schließlich in Aus- und Weiterbildung.