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Drei Tipps für Mitarbeitergespräche

Mitarbeitergespräche werden in vielen Unternehmen als lästige Pflicht empfunden, die man schnell hinter sich bringen will (als Führungskraft und als Mitarbeiter). Doch richtig durchgeführt können Sie zu einer wertvollen Ressource für den Unternehmenserfolg werden. Ich möchte auf drei wichtige Aspekte während eines Mitarbeitergesprächs eingehen, die für den Erfolg oder Misserfolg entscheidend sind.

 

Der erste Aspekt beginnt lange vor dem eigentlichen Gespräch. Es ist die Vorbereitung und das Ausarbeiten der zu besprechenden Punkte. Unsere Wahrnehmung ist fehleranfällig und auch unser Gedächtnis ist nicht dazu da, sich alles zu merken. Dadurch schleichen sich Fehler in die Beurteilung ein, ohne dass wir es merken. Zum Beispiel wird durch den sogenannten Milde-Härte-Fehler ein bestimmter Aspekt systematisch über- oder unterbeurteilt. Wenn Sie also denken, dass Ihr Mitarbeiter seine E-Mails zu ungenau bearbeitet, kann das dazu führen, dass Sie auch seine anderen Aufgaben als zu ungenau beurteilen, obwohl diese denselben Genauigkeitsgrad haben wie bei anderen Mitarbeitern. Anders herum werden Sie durch diesen Fehler andere Mitarbeiter zu milde beurteilen und ihnen Fehler schneller verzeihen und diese nicht mit berücksichtigen.

 

Und auch der Recency-Effekt spielt bei vielen Personalbeurteilungen eine Rolle. Dabei werden kurz zurückliegende Leistungen überbewertet. Dies passiert natürlich vor allem dann, wenn Sie über den Lauf eines Jahres keine Dokumentation über die Leistung des Mitarbeiters erstellen, sondern erst wenige Wochen oder Tage vor dem Gespräch anfangen darüber nachzudenken, wie Sie den Mitarbeiter sehen. Diese Fehler können zu groben Fehleinschätzungen führen.

 

Das kann dazu führen, dass Sie den Mitarbeiter falsch beurteilen. Einerseits ist das nicht gut für das Team und das Unternehmen, denn dadurch nutzen Sie nicht alle Potenziale Ihrer Mitarbeiter. Andererseits kann es auch zu Frust beim Mitarbeiter und dadurch zu schlechteren Arbeitsergebnissen kommen. Wenn jemand sich ungerecht behandelt fühlt, hat er nicht mehr unbedingt die höchste Motivation und sieht sich vielleicht nach einer anderen Stelle um. Seien Sie sich also Ihrer Wahrnehmungsfehler bewusst und beobachten Sie Ihre Mitarbeiter über längere Zeiräume, in denen Sie sich Notizen machen. Nur so erreichen Sie eine faire Bewertung.

 

Der zweite Punkt wird stark dazu beitragen, dass der Mitarbeiter das Gespräch nicht über sich „ergehen“ lässt, sondern sich als Partner im Gespräch sieht. Lassen Sie sich seine Wahrnehmung von kritischen oder auch erfolgreichen Situationen zurückmelden. Sehen Sie Ihren Mitarbeiter als Partner und nicht als Untergebenen, der einfach nur Anweisungen ausführt. Seien Sie offen für die Sicht des anderen, denn sie kann dazu beitragen, ihre Wahrnehmungsfehler auszugleichen. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Dazu ist es natürlich nötig, dass Sie auch im Alltag Offenheit zeigen und bereit sind, Ihren Mitarbeitern zuzuhören.

 

Der dritte Punkt ist zugleich auch der schwierigste: Lassen Sie sich von Ihren Mitarbeitern ein Feedback geben. Mitarbeitergespräche sind keine Einbahnstraße, sondern ein wichtiges Kommunikationsmittel, um Informationen zu übertragen. Und das gilt für beide Richtungen. Wir alle benötigen das Korrektiv von anderen Menschen, um unseren jeweiligen Rollen gerecht zu werden und unsere Wahrnehmungsfehler auszugleichen. Ein Mitarbeitergespräch ist eine wunderbare Gelegenheit, Ihr Selbst- und Ihr Fremdbild als Führungskraft zu überprüfen. Und da die meisten Führungskräfte mehrere Mitarbeiter betreuen, ist es auch eine gute Möglichkeit, ein kleines Stimmungsbild einzufangen. Haben Sie keine Angst vor negativen Bewertungen, denn diese werden durch andere Feedbacks eingeordnet. Wenn sich ein Punkt allerdings häufen sollte, wissen Sie, in welche Richtung Sie sich weiterentwickeln können.  

 

Wenn Sie merken, dass Sie Probleme haben, ein Mitarbeitergespräch richtig vorzubereiten oder mit dem Feedback umzugehen, kann Ihnen ein Coaching oder auch ein Workshop helfen, Ihre Rolle in einem solchen Setting zu finden. Mehr Informationen finden Sie hier.